Im Augenblick geht es mir gut

– zumindest nicht ganz schlecht – glaube ich. Ich lebe in eine Welt, die fast immer nicht will wie ich. Schon als recht junger Mensch habe ich den permanenten Druck von Außen bewußt abgelehnt und mich gewehrt. Es fraß mich auf und war immer Feind meines Seins. Ich glaube nicht, daß ich auf dieser Welt bin, um stets, von mir nicht einzusehenden, Notwendigkeiten zu dienen. Es gibt durchaus Notwendigkeiten die für mich nachvollziehbar sind, obwohl ich als Pessimist und Grantkopp ständig darüber meckere, und leide, komme ich diese Notwendigkeiten nach. Ich habe einen Rhythmus mit dem ich fast immer wunderbar zu recht kam. Nicht abgeschottet von dieser Welt, sondern auf meiner Art integriert.
Meine Aufgaben habe ich immer zufrieden stellend erledigt. Nicht umsonst wurden mir Aufgaben angetragen wie Groß-Konzerte (Westfalen Halle Dortmund, Sporthalle Köln etc.), nicht umsonst wurden mir vom Kirchentag 100 000 DM für ein nicht existierendes, und dann im Abschluß hoch gelobtes Projekt angetragen. Ich arbeite nicht schlecht, aber auf meiner Art.
Ich habe Aus-Zeiten genommen für meine Kinder. Ob nun Krabbelgruppe, Kinder-laden oder Schule, alle haben ihre festen Zeiten. Notwendigkeiten die ich nachgehe. Nicht die Äußeren Notwendigkeiten an sich (Termine und Zeiten in den Einrichtungen), sondern die, von mir einsehbare, Notwendigkeit mich um meine Kinder zu kümmern.
Doch es hat sich bei mir einiges verändert. Seit wann oder wieso ist mir einfach nicht klar. Vielleicht liegt es daran, daß ich jetzt wieder mehr Zeit für mich habe. Früher war mein Lebensstil anarchisch. Ich kam, ging und tat was, wo und wie ich es wollte. Die von Außen an mir herangetragenen Notwendigkeiten habe ich locker nebenbei bewältigt, weil ich ansonsten „frei“ war. Mit der Familie hat sich vieles vom Grund auf verändert. Ich kam in ein Lebensrhythmus, daß nah dran war am „Normalen“. Meine Frei-Zonen mußte ich anders einteilen. Es war nicht mehr egal ob ich da bin oder nicht, ob ich genug Geld zu einer bestimmten Zeit verdiente oder nicht. Trotz Bewahrung von Frei-räumen fügte ich mich wieder in die „Gesellschaft“ ein. Ich schrieb weniger, aber ich schrieb. Ich spielte, musizierte weniger aber ich tat es im Rahmen der Frei-räume.
Jetzt könnte ich von meiner Zeit und Familiären Verpflichtungen her, wieder zurück zum anarchischen Leben. Aber ich mache es nicht. Vielleicht bin ich schon zu gesetzt, vielleicht zu alt, obwohl das kann’s nicht sein, vielleicht bin ich einfach zu faul geworden – vielleicht, vielleicht, vielleicht…..aber irgendwie habe ich immer zuviel zu tun. Die Welt klopft nicht, sie hämmert an meiner Tür, und das lähmt mich. Ich habe daß Gefühl die vielen Anforderungen nicht zu schaffen. Aber ich bin doch jetzt Frei – oder? Wenn ich Zeit habe um zu tun, tue ich nichts. Das betrifft in der Hauptsache meine kreative Seite. Indem ich den Teufel ein wenig mit dem Belzebub vertreibe und zumindest ein paar „offizielle“ Arbeiten zu mehr oder wenigen Festen Zeiten erledige, habe ich zumindest das notwendigste teilweise im Griff. Verwaltungkram für mich oder für die GbR der ich angehöre. Ich will es nicht, aber ich muß. Ich soll wollen und will aber nicht sollen.
Seit diesem Jahr mache ich als Präsident des Geierabends offizielle Eröffnungen, so mit Spruch und Band durchschneiden. Es gibt mir ein Hauch von was Neues aus dem alten. Nur es besteht aus 2 Teilen Sollen und nur ein Teil Wollen. Ich muß etwas außerhalb des Geierabends tun, ich muß Geld verdienen. Das Wollen Teil entsteht aus der Tatsache, daß es fast keine Vorschriften für mich gibt. Niemand schreibt mir Texte oder Vorgehensweise vor. Auch wenn ich mit schlechten Deutsch und teilweise unverständlichen Texten (Wirr) hantiere ist es mir egal. Keiner kann mir was vormachen. Ich bin ich. Mein Anarcho kann bei diesen Eröffnungen wieder halbwegs frei laufen. Es ist ein Lichtblick in meinem düsteren Leben.
Auch dieser Text entsteht nicht weil ich es will. Es ist eine Auftrags-Produktion die auch noch in meiner erzwungenen Arbeitszeit entsteht. Ich will nicht damit behaupten, daß dieser Text unnötig wäre, oder nur Zwang. Es hilft auch mir bei der Analyse meines Problems, bei meiner Blockade im Hirn. Vielleicht, aber nur vielleicht kann es mir auch helfen auf dem Weg vom Sollen zu Wollen. Vielleicht bin ich nicht geboren um frei zu sein. Obwohl die frage nach dem warum ich hier bin so nicht geklärt werden kann. Nach berge von Büchern würde ich es wahrscheinlich immer noch nicht wissen. Wenn ich einigermaßen gut drauf bin, beantworte ich mir die frage nach dem Warum mit – ist so – ist nicht zu ändern – joa pfff. Wenn ich schlecht drauf bin…..
Heute ist Donnerstag. Es ist ein schöner Nachmittag und ich sitze auf der Terrasse meiner Familie. Morgen ist dieses Schreiben fällig. Abgabe-Termin. Drei Wochen hatte ich Zeit etwas über meine Gefühle zu schreiben. Es gibt auch so vieles das hier nicht steht, aber wenn ich es schon vor drei Wochen geschrieben hätte, hätte es mir drei Wochen lang verfolgt. Es wäre immer wieder umgeschrieben worden und hätte mich wahrscheinlich noch tiefer in den Wahnsinn getrieben. Ich kann so was nur relativ spontan. Meine besten Lieder, Texte, Gedichte etc. entstanden alle spontan. Ein Text, das nicht nur gebügelt werden muß, sondern auch noch Inhaltlich bearbeitet werden muß, verliert in meinen Kopf. Je länger, desto eher landet es auf dem Müll. Das ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, daß ich niemals einen Roman schreiben könnte. Ich habe es versucht. War nix. Teile, die mich ansprachen habe ich dann in Kurzgeschichten verarbeitet. Teile, die passierten und nicht erarbeitet wurden. Mein Leben passiert, und ich kann kaum gegen angehen, also lasse ich auch meine „Kunst“ passieren.Geschrieben für meine Psycho-Theapeutin

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